Winterrallye „Rund um Schotten“

2010


Schotten - 2010 (0)

Fotos

Scheffler, Schädlich, Leithäuser, Ackermann

Text

Schädlich

Ski und Rodel gut…

Kann man, soll man, ja darf man eigentlich uralte Schnauferl im Winter bewegen oder sogar noch einen Wettbewerb fahren? Man möchte meinen, das ist eine neuzeitliche Frage. Ist es aber nicht. Um 1967 wurde unter den SB heiß diskutiert ob man Rallyes ohne die vermeintlich schwachen Antique- und Veteran-Cars durchführen und mehr auf die leistungsstärkeren Vintage- und Classic-Cars umsteigen solle. Heute würde man sagen, es ist die nicht minder heftig geführte Diskussion um Old- und Youngtimer. 1970 wurde die Diskussion von den „jungen Wilden“ kurzerhand durch eine Verschiebung in die Winterzeit entschieden. Allem anfänglichen Geplänkel und Einwänden zum Trotz hat sich die Winterrallye der Landesgruppe Hessen seit dieser Zeit zu einer Institution entwickelt.

Wie so manches hat sich in den letzten 40 Jahren auch die Schotten Rallye verändert. Findet man auf den frühen Starterlisten so klangvolle Namen wie Dixi, Hanomag, Horch, Benz (1909), Aero, NAG sowie Bugatti T57, so hat sich das Starterfeld in den letzten Jahren stark verjüngt. War es bis zur Jahrtausendwende fast Pflicht offen zu fahren, so ist das heute zur viel bewunderten Kür geworden. Natürlich haben sich nicht nur die Fahrzeuge verjüngt, auch die Aufgabenstellung der Rallye hat sich gewandelt. Witz, Satire und Humor waren der Maßstab. An ehrgeizige Pfadfinderspiele mit Stoppuhr, Koordinaten und Drehskizzen dachte da noch keiner, geschweige denn an Tom-Tom, aber das gab es ja auch noch nicht. Dafür waren laut Ausschreibung 1971 Schneeketten – nach Möglichkeit, Spaten, Sandsäcke – voll, Schirm, Ölzeug, sittsame Badekleidung (?!), Taschenlampe, Schnee und zu guter Letzt Goethes Werke in der Gesamtausgabe mit zu bringen!

Bei aller Veränderung, sei es der Fahrzeuge, der Teilnehmer oder der Ausrüstung, eines hat sich nicht geändert, und das ist das Wetter. Dieser im Februar unabwägbaren Größe hatten sich die Teilnehmer mit ihren Fahrzeugen über alle Jahr immer wieder zu stellen.

So auch 2010. Bereits der lange, für unsere Region ungewöhnlich harte Winter deutete unweigerlich auf eine Rallye mit Schnee und Eis hin. Im gesamten Vogelsbergbereich war Ski und Rodel gut gemeldet. Die Strassen aber durch die lange Dauer des Winterwetters geräumt und gut befahrbar. Außer natürlich der Abschnitte, welche von der Fahrtleitung vorsorglich aus der Strecke wegen Vereisung herausgenommen worden waren.

Durch die im Vorfeld „durchgesickerten“ Informationen über die möglichen Aufgabenstellungen, welche sich eher an den historischen Winterrallyes orientieren sollten, erwarteten die 32 angereisten Teams entspannt die Fahrerbesprechung und die Ausgabe der Fahrtenbücher zur Nachtetappe. Sportreferent SB Anders hatte sein Team auf Grund der Jubiläums Rallye um die SB Heinz Jungels und SB Jochen Schramm aufgestockt. Dementsprechend entstand über das gesamte Wochenende ein anspruchsvoller und mit vielen Herausforderungen gespickter Wettbewerb. Dabei war die Nachtetappe, welche in einem 36er Schnitt mit geheimen Zeitkontrollen zu fahren war, noch die leichteste Aufgabe. Sieger der Nachtetappe und damit Gewinner des neuen Haus Sonnenberg Wanderpokals war das Team Ellermann/Meyer mit Ihrem VW 1600L, welcher am nächsten Tag einige Benzinprobleme hatte.  Wenn man genau nach Zeitvorgabe gefahren war, konnte man schon nach einer Stunde am Lagerfeuer vor dem Hotel eine wärmende Suppe verspeisen und ein Schnäpschen zur „Aufwärmung“ genießen. Von letzteren wurden es einige…

Nach kurzer Nacht Start in Minutenabständen ab 8:31. Idealerweise sollte die 77 km lange Strecke in 3 Stunden 15 Minuten gefahren werden. Erste irritierte Gesichter, das sollten historische Aufgaben sein? So was hat man vor 30, 40 Jahren gefahren? Nicht ohne! Aufgaben wie Strahlenbündel, Strich-Punkt und Strich-Strich Skizzen, Punktfolge, Schattenskizze, Fahrt nach Koordinaten, Fahrt nach Karten, Halbpfeil-Skizze, Randskizze und Chinesen in allen Varianten wie Chinesenmix, Koordinatenchinesen und Chinesen-Uhr wechselten sich in dichter Folge ab. Oh, so nebenbei waren noch Ortschilder, stumme Wächter, Suchbilder, und Flüsse, die man überquert hatte, aufzuschreiben. Eine echte Herausforderung für den Beifahrer. Leicht „erhitzt“ erreichte so der Rallyetross den Marktplatz in Lauterbach. Nach Empfang im Rathaus und der schon fast traditionellen Mittagsrast Eulenfang in Maar ging es dann gestärkt zur Nachmittagsetappe. So nebenbei wechselte in Rekordzeit Präsident SB Dr. Scheffler noch ein Rad mit Plattfuß an seinem AC.

Die Nachmittagsetappe wartete neben den schon bekannten Aufgabenstellungen mit einem besonderen Highlight auf. Eine Gleichmäßigkeitsprüfung auf dem Gelände, bzw. dem Motodrom der Firma Stehr in Storndorf. Hier sollten konstant 20 oder 30 km/h gefahren werden. So ganz ernst genommen hatte wohl keiner diese Aufgabe. Da das Motodrom teilweise mit vereisten Streckenabschnitten aufwartete ließen es die meisten Fahrer mal so richtig „krachen“. So manche Heckschleuder machte hier Ihrem Namen alle Ehre! Eine anschließende Fischgräte ließ nach dem Ausflug in die Bestzeiten die Gemüter wieder abkühlen.

Gegen 18:00 Uhr Eintreffen der Fahrzeuge im Hotel Sonnenberg. Um 20:00 dann zum 4-Gänge Menü, welches das Haus Mangold wieder in bewährter Art auf die Tische zauberte. Alte Plakate erinnerten an den Wänden an die großen Zeiten des Schottenrings. Bei Bier, Wein und gutem Essen konnten wir Teilnehmer uns jetzt entspannt zurücklehnen und die Ereignisse Revue passieren lassen. Lediglich das Organisatorenteam wurde jetzt von Ihrem guten Willen zu den vielfältigen Aufgabenstellungen eingeholt. Sie mussten die proppevollen Bordkarten auswerten! Eine wahre Sisyphusarbeit. SB Dr. Scheffler hatte eine Diashow mit Bildern der letzten 40 Schottenrallyes zusammengestellt. Passend dazu konnte SB Dr. Scheffler einige der ehemaligen Sportreferenten der Landesgruppe Hessen begrüßen: SB Siegfried-Otto Hepp (1976–81), SB Lutz Albrecht (1983-88), SB W. Duchêne (1989-94) und SB Jan-Hendrik Wolf (1995-97). Dann endlich 23:45 Uhr, konnte ein sichtlich erleichterter Sportreferent SB Anders die mit Spannung erwartete Siegerehrung angehen. Das Team Dr. Ess/Stolzenberg auf Ihrem Saab 96 Monte Carlo konnte neben dem Sieg in der Klasse F auch den Gesamtsieg und den Sieg als bestes ASC Hessen Team für sich verbuchen. Der 1. Platz des Junior-Cups ging an Camilla und Claudius Brandt auf Peugeot 203, welche damit die Familientradition auf einen Pokal der Schottenrallye hochhielten. Immerhin bemühten sich 6 Jugendteams um den Junior-Cup. Um den Nachwuchs im ASC brauchen wir uns keine Sorgen zu machen. Sieger der Klasse E Team Dr. Muthesius/Wolf und Sieger der Klasse C waren Kayser/Wolf auf Ihrem Amilcar (1926), welche, hart im Nehmen, als einziges Team die gesamte Strecke „offen“ unter die Räder nahmen. Einen Pechvogel gab es leider auch. Der DKW F2 (1932) von SB Mangold stellte mit Kupplungsproblemen den Dienst ein und musste bei den Witterungsverhältnissen nicht ohne Schwierigkeiten in die heimische Garage geschleppt werden.

Ach ja, das Wetter. Am Sonntagmorgen traute mancher seinen Augen kaum, der Parkplatz mit den Oldtimern hatte sich in ein Wintermärchen verwandelt. Eine dicke Schneeschicht deckte die Fahrzeuge zu. Mithin eine gelungene Jubiläumsveranstaltung dieser Winterrallye. Wir danken den Ausrichtern und allen fleißigen Helfern. Bis zum nächsten Jahr zur 41. Widerauflage der Winterrallye „Rund um Schotten“.