Winterrallye „Rund um Schotten“

2009


Schotten - 2009 (0)

Fotos

Scheffler, Schädlich, Schäfer, Anders

Text

Schädlich

Schotten, die Sportliche

Sage und schreibe zum 39. male hatte die Landesgruppe Hessen zur traditionellen Winterrallye in die Höhenlagen des Vogelsberges geladen. Schon von weitem konnte man bei der Anreise auf den Hängen des Hoherodskopfs eine spärliche Schneeschicht erblicken. Sollte es doch mal wieder zu einer echten Winterrallye kommen? Der strenge Winter nährte zwar im Vorfeld diesbezügliche Hoffnungen unseres Sportreferenten SB Volker Anders, um es aber vorweg zu nehmen, nein, so richtig erfüllte sich die Hoffnung auf einen Wintertraum nicht. Schmuddeliges Wetter, hin und wieder mit leichtem Regen durchsetzt, war die Vorgabe für das gesamte Wochenende.

Die diesjährigen Teilnehmer hatten daher wohl auch in weiser Voraussicht zu Ihren kommoden Innerlenkern ab Baujahr 1961 aufwärts gegriffen. Oder wie sonst wäre es zu erklären, dass in der Klasse bis 1945 vier und bis 1960 zwei Fahrzeuge an den Start gingen? Am Alter der Fahrzeuge kann es nicht gelegen haben, noch vor ein paar Jahren war das Vorkriegsstarterfeld deutlich größer. Eine Überalterung der Teilnehmer kann auch nicht sein, wie sonst wäre der hohe Anteil der jüngeren Fahrer und Beifahrer zu erklären, welcher sogar den von SB Dr. Ess initiierten Juniorpokal rechtfertigte? Übrigens, gewonnen wurde dieser Pokal erstmalig in diesem Jahr von Fräulein Krämer aus Siegen, als Fahrerin eines Porsche 911 (1970).

Warum also dieser Trend zu den bequemeren Fahrzeugen? Diese Fragen schienen unauflösbar. Bis, ja bis zum Start der Nachtetappe am Freitag, da wurde es uns im Auto schlagartig klar. Die Schotten Winterrallye hat den Sprung von der ursprünglichen Spaß- und Jux-Rallye in die Klasse einer Rallye mit sportlicher Herausforderung vollzogen. Unser 3er Team im MB 220Sb stand urplötzlich vor der Herausforderung mit einem Kilometertacho (ohne 100m Angabe) genaue Orientierungsaufgaben zu lösen.

Immerhin konnten wir so in diesen zwei Tagen unser persönliches Schätzvermögen bis auf eine Genauigkeit von etwa 50 Metern eichen. Gut, aber nicht gut genug für eine sportliche Rallye. Selbst so vergessenes und längst unnötig geglaubtes Wissen, wie das Abzählen der guten alten Straßenbegrenzungspfosten (ca. 25 m auseinander), wurde wieder hervorgekramt.

Die im Bordbuch gestellten Fragen waren ideenreich, einige auch etwas „knifflig“ oder einfach nur neu, aber in der halben Stunden nach der Ausgabe des  Bordbuches gut zu lösen. Chinesen-Mix, Schachbrett-Kartenlabyrinth, 3-, 4-, 5-Sprünge und Chinesen-Uhr in der Theorie und am Tisch alles kein Thema. Dann aber auf der Strecke war es für uns durch unser bescheidenes Equipment nur mit viel Raten möglich, dem Streckenverlauf zu folgen. Sportlich gelassen nahmen wir die Herausforderung im Kampf um die letzten Plätze an und hatten noch unseren Spaß dabei… Nach gut zwei Stunden trudelten die Teams wieder im Hotel ein und konnten sich am traditionellen Lagerfeuer mit einigen Schnäpsen und einer deftigen Suppe aufwärmen. Passend auch, zum nicht gerade winterlichen Wetter, wurden hervorragende Frühlingsrollen angeboten.

Samstag, Start ab 8:30, jetzt wollten wir es wissen! Außer zwei Fischgräten war im Bordbuch theoretisch keine echte Herausforderung  zu finden. Trotzdem gelang es uns, die erste Prüfung, nur wenige Kilometer nach dem Start, mit Bravour zu vergeigen. Wir verpassten den Einstieg zur eigentlichen Fischgräte. Das waren die ersten Punkte auf unserem ständig wachsenden Konto, es sollten noch einige hinzu kommen… Die erste Etappe des Tages führte uns über ca. 86 km nach Lauterbach. Bei der Überquerung des Hoherodskopfs konnte doch tatsächlich in den Höhenlagen einige Schneewehen erspäht werden. Das war aber dann schon die einzige Andeutung einer Winterrallye.

Unterwegs waren Straßenschilder als stumme Wächter aufzuschreiben. Schafften wir auch größtenteils. Wenn zwei Schilder etwa 10 Meter auseinander standen, hatten wir den Vorteil eines Dreierteams, wir konnten abstimmen! Meistens entschieden wir uns für das buntere Schild. Dann kam das Örtchen Stockhausen, hier versetze uns eine weitere Fischgräte in schiere Verzweiflung. Anscheinend ist es jedes Jahr üblich, ein neues Highlight in die Analen der Schottenrallye einzutragen. Neben der „Fischgräte von Maar“, dem „Kreisel von Nidda“, in diesem Jahr eben mal wieder eine Fischgräte, die von „Stockhausen“. Einen vagen Trost hatten wir, wir sahen hier auch vermeintliche Gewinner-Teams angestrengt mehrfach durch die Gassen kurven.

Der Empfang durch den Bürgermeister in Lauterbach und das anschließende hervorragende Essen im Eulenfang in Maar entschädigte für die Mühen des Vormittags. Ein Rundgang auf dem Marktplatz und ein scharfer Blick in die Innenräume einiger Fahrzeuge zeigte eine „gewisse“ elektronische Präsenz. Da war es plötzlich, das letzte Puzzlesteinchen zur Erklärung der überproportional besetzten Klassen ab 1961. Die Mischung macht’s! Ein unproblematischer, möglichst geschlossener Oldtimer und eine Portion Elektronik, dann kann man vielleicht auch etwas weiter vorne mitmischen. Zugegeben, das sind aber auch nur „Werkzeuge“, auf den Beifahrer kommt es nach wie vor zum großen Teil an!

Der Nachmittag bot mit einer Strecke von 50 km, neben einem einprägsamen, längeren Aufenthalt in dem schönen Ort Hopfmannsfeld anlässlich eines Koordinaten-Chinesen, keine weiteren Besonderheiten.

Ach ja, und auf den letzten Kilometer der Rallye schlug in den Höhenlagen der Winter noch mal zu, leichter Nieselregen ging in ein kurzes Schneeintermezzo über. Es gelang uns so doch tatsächlich noch ein „Beweisfoto“ zu schießen. Wer da behauptete, es sei keine Winterrallye gewesen, war nur zur falschen Zeit am falschen Ort!

Abends, wie in jedem Jahr, die Abschlussfeier im Hotel Sonnenberg. Bei einem exzellenten Buffet und so manchem alkoholischen Trunk wurde vor und nach der mit Spannung erwarteten Siegerehrung jedes einzelne Detail der beiden Tage durchdiskutiert. Gesamtsieger 2009 und gleichzeitig auch das mit dem Mayer-ten-Dornkaat Pokal, als bestes Team der Hessischen Landesgruppe ausgezeichnet, wurden Assmuss/Assmuss auf einem 1968 Ford Cortina im Renntrimm. Das Team Dr. Hermes/Dr. Hellauer konnten den Pokal der Nachtetappe für sich in Anspruch nehmen.

Aus den Diskussionsrunden und Vorschlägen zur Planung der 40. Winterrallye im nächsten Jahr konnte man schon einiges Interessantes heraushören: Beispielsweise „Best off“ Aufgaben aus den vergangenen Jahren und die Einführung einer touristischen Wertung. Vielleicht auch eine Neuauflage der „berühmten“ Aufgabe im Örtchen Busenborn? Alte Schotten „Hasen“ wissen noch nach welchem Kleidungsstück da gefragt wurde… Wir können sicherlich gespannt sein.

Viel zu schnell ging unser Schotten Wochenende mal wieder zu Ende. Unser besonderer Dank gilt der sportlichen Leitung von SB Volker Anders, den fleißigen Rallye Helfern, SB Mangold und dessen Sohn, welcher uns als Geschäftführer des „Hauses Sonnenberg“ verwöhnt hat. Bis zur die Jubiläumsrallye 2010, bei hoffentlich auch winterlichen Bedingungen.