Winterrallye „Rund um Schotten“

2008


Schotten - 2008 (0)

Fotos

Scheffler, Leithäuser, Schädlich

Text

Schädlich

Zum Nachtisch – Fischgräte

Winterrallye? Vielleicht sollte man in einiger Zeit über eine Umbenennung nachdenken. Zumindest in diesem Jahr wäre die Bezeichnung Frühlingsrallye treffender gewesen! Herrlicher Sonnenschein verwöhnte die angereisten Teilnehmer in den Nachmittag -Stunden bei durchaus frühlingshaften Temperaturen. So war Zeit die Fahrzeuge in Ruhe zu begutachten, letzte Vorbereitungen zu treffen oder einfach nur den wunderschönen Sonnenschein zu genießen.

Zu beobachten war, dass das Gros der insgesamt gemeldeten 29 Fahrzeuge mehr und mehr eher zu „Innenlenkern“ und Oldtimern der 60-ziger und 70-ziger Jahre tendiert. Die Zeiten, als in der Vintage Klasse hart um Punkte und Pokale gekämpft wurde, sind anscheinend vorbei.  lediglich 6 Fahrzeuge waren in den FIVA Klassen C und D gemeldet. Da genügte es fast nur, an den Start zu gehen um automatisch in den Pokalrängen zu landen. Was allerdings, das sei hier ausdrücklich betont, die Leistung der Teams in diesen Klassen in keiner Weise schmälerte.  Im Gegenteil, zum „Kampf“ mit dem Bordbuch kommt ja immer noch der mit dem Fahrzeug hinzu.

Die Ausgabe der allgemeinen Unterlagen der Rallye wartete mit einer kleinen Überraschung auf.  Wer da meinte, es würde unter dem neuen Sportreferenten SB Volker Anders wieder etwas „lockerer“ einhergehen, sah sich getäuscht. SB Anders führte den Stil seines Vorgängers SB Fleischmann kontinuierlich fort. Die Aufgaben des Bordbuches waren wie immer ideenreich und manchmal auch etwas „knifflig“ oder einfach nur neu, wie z.B. „3-Sprung 7. links“. Mit einiger Anstrengung war aber alles zu schaffen, selbst wenn die elektronischen Helferlein plötzlich nachts Ihre gewohnten Dienste versagen.

Die am Freitag pünktlich um 19:01 Uhr gestartete, ca. 60 km lange Nachtetappe wartete neben einer Zeitprüfung, die im Schnitt von 37 km/h zu fahren war, mit Ketten-, Koordinaten-Chinesen und einer kleinen Fischgräte zur Einstimmung auf. Nach ca. 2 Stunden konnten sich die Teams wieder vor dem Hotel Sonnenberg am traditionellen Lagerfeuer mit einigen Schnäpsen und einer deftigen Suppe aufwärmen.

Schon lange vor dem Frühstück und dem für 9:01 Uhr angesagten Start konnte man auf dem Hotelparkplatz die bei einigen Fahrzeugen doch recht mühseligen Startversuche beobachten. Manche Batterie hatte durch die im Minusbereich liegenden Temperaturen stark gelitten und nahm nur widerwillig ihren Dienst auf. Irgendwann stotterte selbst der unwilligste Motor und verfiel mit viel Zureden des Chokes in ein sattes Brummen. Jetzt galt es nur noch, die Scheiben vom Eis zu befreien und der Rallye stand nichts mehr im Wege.

Die Vormittagsetappe führte über ca. 90 km nach Lauterbach. Bei der Überquerung des Hoherodskopfs konnte doch tatsächlich in dem einen oder anderen geschützten Eckchen eine Schneewehe erspäht werden. Das war aber dann schon der einzige Anflug einer Winterrallye.

In der herrlichen Mittagsonne boten die Fahrzeuge in Lauterbach ein eindruckvolles Bild auf dem Marktplatz vor dem Rathaus, wo der Empfang des Bürgermeisters stattfand. Darauf ging es direkt nach Maar in den altbewährten Gasthof Jägerhof, wo sich die Rallyeteilnehmer im „Eulenfang“ für die letzte Etappe des Tages stärken konnten.

Soweit, so gut. Dann kam aber der „Nachtisch“, eine Fischgräte die so manchem der Teilnehmer im Halse „strecken“ blieb und bis in die Nachtstunden auf dem Bankett für heftige Diskussionen sorgte. Die Fischgräte begann direkt am Restart nach der Mittagspause und sorgte vom Anbeginn an für einen mittleren Oldtimerstau in dem kleinen Örtchen. Der Ablauf war immer der gleiche: frohen Mutes losfahren, Abzählen und verwirrt stehen bleiben. Wieder Aufsetzen: 2. Versuch, welcher wieder im Nirgendwo endete. Manches Team „bewältigte“ die 1,75 km in Bestzeiten von bis zu 45 Minuten. Ein Schnitt, der sich wahrlich sehen lassen kann! Woran es nun wirklich lag war im Nachhinein schwer fest zu stellen, zumal auch einige Teilnehmer in einem Rutsch durchfuhren. Schreiben wir es einfach mal dem guten Essen und der üblicherweise danach einsetzenden Trägheit zu. Jedenfalls wird die „Fischgräte von Maar“ sicherlich ebenso in die Analen der Schottenrallye eingehen wie der berühmte „Kreisel von Nidda“. Langjährige Teilnehmer der Rallye wissen hier was gemeint ist…

Die Nachmittagetappe wartete neben 2 Zeitprüfungen nicht mehr mit sonderlichen Schwierigkeiten auf. Eine der beiden Zeitprüfungen musste aus Gründen der Fairness leider gestrichen werden, da der Beginn der Durchschnittsgeschwindigkeitskontrolle über 6,5 km nicht klar ersichtlich war. Wer es dagegen etwas flotter angehen ließ, konnte in Strebendorf das spritzende Wasser einer Furt als willkommene Unterbodenwäsche nutzen.

Das abendliche Bankett stand wie immer im Zeichen der mit Spannung erwarteten Siegerehrung. Nach einem Buffet, welches wie immer keine Wünsche offen ließ, wurden die Ergebnisse verkündet und die von SB Jochen und Robert Schramm aus Kolben hergestellten Pokale überreicht. Einer davon ging sofort wieder für einen Klassensieg auf Ihrem Chrysler Typ 65 an das Team Schramm/Schramm. Bei dem Gesamtsieg gab es eine kleine Überraschung, nicht die üblichen „Verdächtigen“ stellten die Sieger, sondern das Team Dr.Hellauer / Hellauer konnte gleich mehrfach Pokale mit nach Hause nehmen: Gesamtsieg, Klassensieg, Nachtpokal und der Mayer-ten-Dornkaat Pokal für das beste Team aus der Hessischen Landesgruppe. Ein guter Schnitt! Gemütlich klang der Abend mit der so rallyetypischen Manöverkritik der Teams untereinander aus. Alle waren dabei einhellig des Lobes voll für den neuen Sportreferenten SB Anders, welcher mit dieser Schottenrallye zweifelsohne seine Feuertaufe bestanden hat. Es wurde mal wieder ein langer Abend.

Unser besonderer Dank gilt der sportlichen Leitung und den fleißigen Helfern, SB Mangold und seinem Sohn, welcher als neuer Leiter des Hotels Sonneberg uns verwöhnt hat und selbstverständlich dem großzügigen Sponsor der Sparkasse Oberhessen. Bis zum nächsten Jahr in hoffentlich winterlicher Umgebung.