7. Bad Homburger Schlösser- & Burgenfahrt – 2013

Motorisiert durch Kultur und Geschichte

Schlösser, Kirchen und Parkanlagen gehören üblicherweise zu unseren Ausfahrten. Sie zählen zum gehegten Kulturerbe. Es gibt aber auch viele ungeliebte, ebenso unter Schutz stehende Bauten. Und genau diese rückte der Tag des offenen Denkmals 2013 ins Licht. “Jenseits des Guten und Schönen”, so lautete das diesjährige Motto. Jochen Schramm hatte mit Unterstützung der beiden Bad Homburger Institutionen, der Kur- und Kongreß-GmbH sowie der Aktionsgemeinschaft des Einzelhandels, bei der siebten Schlösser- und Burgenfahrt bequeme und unbequeme Ziele aneinander gereiht und damit ein weiteres mal den Teilnehmern einen überaus abwechslungsreichen Tag beschert.

Treffpunkt war der geschichtsträchtige Kurpark in Bad Homburg vor der Höhe. Die 57 historischen Fahrzeuge der Baujahre 1929 bis 1972 durften in der sonst für jeglichen Verkehr gesperrten Brunnenallee Aufstellung nehmen. Nach reichhaltigem Frühstück in der umfassend neu renovierten Orangerie nahmen die Fahrzeuge die Strecke unter die Räder. Erstes Ziel war das zweitgrößte Munitionsdepot der Bundeswehr, das sich mit seinen 372 Munitionsbunkern auf 254 Hektar im Taunus versteckt. Zum Glück wurden die Fahrzeuge in Achtergruppen durch die weitläufige Anlage geführt, sonst hätte sich der Eine oder Andere vielleicht auf den 40 km (!) langen Straßen Depots verirrt.

Unser Bordbuch lotste uns zu einem ehemaligen Kasernengelände, auf welchem jetzt ein Solarpark die Versorgung von 1100 Haushalten sichern kann. Danach führte uns die Route weiter nach Norden zu einem historischen Wasserkraftwerk in Solms. Wiederum einige Meter weiter öffnete das Industrie- und Heimatmuseum seine Pforten. Neben den üblichen erwarteten Ausstellungs-stücken des früheren ländlichen Lebens zeigt das Museum in großem Umfang die industrielle Geschichte des Ortes auf. Neben Maschinen für die Fertigung von Nägeln konnten auch kleine Geräte und große Anlagen der ehemaligen Landmaschinenfabrik Heinrich Hoffmann & Co besichtigt werden.

Am Rande des „Thierparks“ des Grafen zu Solms-Braunfels wurde im Forsthaus Braunfels eine kulinarische Pause eingelegt. Zum Nachtisch erwartete uns ein besonderes Erlebnis. Einem märchenhaften Schloss gleich, erhebt sich die gewaltige Burganlage und bis heute bewohnte Residenz der Grafen und Fürsten zu Solms-Braunfels über dem malerischen Ort Braunfels. Der Fußweg vom Parkplatz führte vorbei an Zinnen, Türmen und Erkern. Eine Schlossführung lieferte Einblicke in die schönsten Prunkräume, ausgestattet mit seltenem Stilmobiliar, Gemälde-galerien verschiedener Stilrichtungen, Kriegs-, Jagd- und Turnierwaffen vom 13. bis 18. Jahrhundert sowie Sakralkunst aus dem zugehörigen Kloster Altenberg. Die lebhafte Führerin ließ für uns die Geschichte eindrucksvoll auferstehen.

Nun folgten wir gerne dem Ruf der Landstraße. Das Bordbuch führte uns nach Weilmünster zu einer psychiatrischen Klinik, die in der dunklen Zeit zum Tatort der Verbrechen der nationalsozialistischen Rassenhygiene wurde. Nachdenklich überquerten wir mit unseren Wagen die letzten Taunushöhen und steuerten das nächste Etappenziel, die Klinik Hohe Mark in Oberursel an. Im Rahmen einer Führung konnten wir dort die wechselvolle Geschichte des Anfang des 20. Jahrhunderts erbauten Krankenhauses kennen lernen.

Nach rund 140 km schloss sich die große Runde und die Brunnenallee hatte uns wieder. Am Ziel verkürzten uns Sekt und hervorragende Häppchen die Zeit bis zur Siegerehrung. Lange mussten wir nicht warten. Die Daten von Zeit- und Durchgangskontrollen sowie der Sonderprüfungen waren schnell ausgewertet. Als Sieger aller Klassen wurde das Team Petra Leue-Bahns /Frank Schäckermann auf FIAT 850, Bj. 1966 geehrt.

Dank an den Organisator, die Helfer und die Sponsoren, es war wieder eine tolle Ausfahrt.

Text: Volker Anders, Copyright Fotos: Joachim Storch